Eine Ausstellung im Winterthurer Museum Schaffen zeigt die Geschichte der Brauerei Haldengut anhand von Objekten.
Realisiert hat die Ausstellung die Historikerin Nadia Pettanice. Die Rettung der Objekte beim Verkauf der Brauerei an die Firma Heineken Mitte der 1990er Jahre war das Werk von Andreas Schoellhorn. Er war für kurze Zeit der letzte Direktor von Haldengut – und gehört zu ehemaligen Besitzerfamilie und ist von daher mit der Brauerei verbunden.
Dominik Landwehr hat sich mit den beiden am 30.Juni 2026 unterhalten. Die Ausstellung im Museum Schaffen läuft noch bis 4.April 2027
www.museumschaffen.ch/
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Zusammenfassung
Die Geschichte der Winterthurer Brauerei Haldengut endet nicht mit der Übernahme durch Heineken in den 1990er-Jahren. Sie lebt weiter – in Tausenden von Objekten, Dokumenten und Erinnerungen. Die Ausstellung «Erinnerungstank Haldengut – Wir zapfen Geschichte» im Museum Schaffen macht dieses Erbe sichtbar und erzählt Industriegeschichte auf ungewöhnliche Weise: nicht anhand langer Texte, sondern anhand von Gegenständen, die während mehr als 150 Jahren den Brauereialltag prägten.
Im Gespräch mit der Historikerin Nadia Pettannice, der Kuratorin der Ausstellung, und Andreas Schoellhorn, dem letzten Direktor der Brauerei und Mitglied der Gründerfamilie, wird deutlich, wie eng die Geschichte Haldenguts mit der Entwicklung Winterthurs verbunden ist. Haldengut war zwar nie so gross wie Sulzer oder Rieter, prägte aber als bedeutender Arbeitgeber, Immobilienbesitzer und Markenhersteller das Selbstverständnis der Stadt. Aus der einstigen Wein- wurde eine Bierstadt.
Einen besonderen Stellenwert nimmt die Rettung des materiellen Erbes ein. Als die Brauerei aufgegeben wurde, konnten rund 2500 Objekte sowie das umfangreiche Firmenarchiv vor der Entsorgung bewahrt werden. Diese Sammlung bildet heute die Grundlage für neue Forschungen und für die Ausstellung. Sie zeigt, wie wichtig es ist, Industriekultur nicht nur über Akten, sondern auch über Alltagsgegenstände zu erschliessen.
Die ausgewählten Objekte eröffnen überraschende Perspektiven. Ein tonnenschwerer Steinbrunnen erzählt von Repräsentation und Firmenkultur. Eine aus den USA importierte Hefebirne aus dem Jahr 1949 steht für den Technologiesprung der Nachkriegszeit und verweist zugleich auf die internationale Vernetzung der Schweizer Brauindustrie. Geräte zur Hefezucht, Kühltechnik und Brauereimaschinen machen sichtbar, wie eng Innovation, Wissenschaft und industrielle Produktion miteinander verbunden waren.
Ein weiteres Kapitel widmet sich den Brauereipferden. Sie waren unverzichtbare Arbeitstiere für den Biertransport, wurden sorgfältig dokumentiert und entwickelten sich schliesslich zum bekanntesten Markenzeichen der Brauerei. Das bis heute bekannte Haldengut-Pferd steht beispielhaft dafür, wie aus einem Betriebsmittel ein starkes Symbol werden konnte.
Die Ausstellung richtet den Blick auch auf Menschen, die in der bisherigen Unternehmensgeschichte kaum Beachtung fanden. Besonders die Frauen im Büro und in der Verwaltung leisteten wichtige Beiträge zum Erfolg der Brauerei. Ihre Biografien zeigen die sozialen Rahmenbedingungen ihrer Zeit und ergänzen die Geschichte des Unternehmens um eine lange übersehene Perspektive.
So entsteht weit mehr als die Geschichte einer Brauerei. Die Ausstellung erzählt von Industrialisierung, technischem Fortschritt, Unternehmertum, Stadtentwicklung und vom sorgfältigen Umgang mit kulturellem Erbe. Sie macht deutlich, dass selbst unscheinbare Alltagsgegenstände zu historischen Quellen werden können – vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig bewahrt und in ihren Zusammenhang gestellt.
Transkription des Gespräches vom 30.Juni 2026 als PDF (17 A4 Seiten)